Die Waldbühne in Halsbach

Auf einer Idyllisch gelegenen Waldlichtung breitet sich das Areal der Waldbühne. 600 überdachte Sitzplätze bieten einen unverwechselbaren Überblick auf das Bühnengeschehen. Die einzigartige Atmosphäre dieser Naturbühne macht jede Aufführung zu einem unverwechselbaren Erlebnis.

Ursprünge

Es war im Jahre 1983, als das katholische Landvolk in der Gemeinde Halsbach im südlichen Landkreis Altötting in Oberbayern einen Tag der offenen Tür veranstaltete. Ort dieses Tages der offenen Tür war der historische Bundwerkstadel in Gallersöd. Damit sollte auf die damalige Situation in der bäuerlichen Landwirtschaft hingewiesen werden.

 Angespornt durch das große Interesse, das die Ausstellung in der Bevölkerung hervorrief, überlegten sich vier Männer, wie dieses Zeugnis bäuerlicher Handwerkskunst und Lebensfreude, der Gallersöder Bundwerkstadel, wieder mit Leben erfüllt werden könnte. 

Der Begriff Sommertheater geisterte plötzlich in den Köpfen von Franz Blüml, Simon Maier, Georg Pfaffinger und Martin Winklbauer herum. Die vier Männer machten sich erste Gedanken und so allmählich wurde ein Theaterstück geboren. 

Das Schwarze Jahr, so der Titel des Stückes, setzt eine Geschichte, die sich in der Gemeinde Halsbach zugetragen hat, auf der Bühne um. Eine Votivtafel in der Halsbacher Pfarrkirche, die auf den Einfall der Panduren während des Österreichischen Erbfolgekrieges in die kleine Gemeinde hinwies, gab den Anstoß.  

Anfänge

Durch das langsame Wachsenlassen, durch das gemeinsame Erarbeiten des Stoffes und durch das Miteinander bei den Proben entstand bei den Verantwortlichen, aber auch bei den Mitspielern, eine immer größere Begeisterung. Nahezu jede Familie war in irgendeiner Form am Entstehen beteiligt. Schließlich mußte sogar eine Prozession zusätzlich in die Handlung eingebaut werden, um wirklich alle mitspielen zu lassen.
  
 Die Uraufführung fand dann am 23. Juni 1984 im Gallersöder Bundwerkstadel statt. Insgesamt wurde dieses Stück achtmal im Stadel aufgeführt. 

Damit war ein Anfang gemacht: Halsbach, diese kleine Landgemeinde in Oberbayern, begann sich zu einer Hochburg des Laienspieltheaters zu entwickeln. Als nächstes folgte Der Mensch im Glashaus, eine Pantomime über die schleichende Zerstörung der Umwelt. Dieses Stück wurde dann unter anderem beim Deutschen Katholikentag 1986 in Aachen aufgeführt.

Aufbruch

Bereits drei Jahre nach den ersten Überlegungen entstand das zweite historische Stück. Der Seelenhandel wurde am 13. Juni 1986 zum ersten Mal aufgeführt. Im Mittelpunkt steht dabei eine Frau, Maria Engelin, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts in der Pfarrei Halsbach wohnte. Diese Frau pflegte besonderen Kontakt zu den Armen Seelen. 
 
Nachdem sie deshalb von der geistlichen an die weltliche Gerichtsbarkeit ausgeliefert worden war, wurde sie schließlich im Jahre 1711 als Hexe öffentlich verbrannt. Damit war sie eines der letzten Opfer der Hexenverfolgungen. Damit konnte wieder ein Teil der Geschichte der engeren Heimat anschaulich aufgearbeitet werden. 

Der Bauer in der Kutte, die Geschichte des Niklaus von Flüe, des schweizerischen Nationalheiligen, folgte ein Jahr später. Dieser helvetische Heilige, der einen für viele nicht nachvollziehbaren Weg gegangen ist, steht mit seinem Glauben, mit seinen Ängsten und Zweifeln darum, im Mittelpunkt.

Weiter voran

Die Beschäftigung mit Menschen, besonders auch in Grenzsituationen, die dem Landvolktheater bis dahin anscheinend gelungen ist, mag der Grund dafür gewesen sein, dass 1988 die jüngere Geschichte ins Zentrum des Interesses rückte. 

Eines Tages im Jahr 1988 besuchten der Pfarrer der Gemeinde St. Radegund, aus der oberösterreichischen Nachbarschaft jenseits der Salzach, zusammen mit der Witwe Franziska Jägerstätter die Verantwortlichen des Landvolktheaters. Die Besucher machten die Halsbacher auf das Schicksal des Bauern Franz Jägerstätter aufmerksam, der im Zweiten Weltkrieg den Dienst mit der Waffe aus Glaubensgründen verweigert hatte, und dafür zum Tode verurteilt worden war.  

Das Vermächtnis entstand aus diesem Stoff. Der Premiere am 4. Mai 1989 folgten bisher über 40 Aufführungen an verschiedenen Orten in ganz Deutschland. Dabei wird in allen Inszenierungen das ganze Dorf in die Vorbereitungen und die Ausführung miteinbezogen; der Gallersöder Stadel in gemeinsamer Arbeit zum Bühnenraum umgestaltet und somit in Zusammenarbeit mit der Familie Kaiser ein richtiger Theater-Hof geschaffen. Auch die Kostüme wurden in Heimarbeit gefertigt.

Und: Alle Stücke entstammen der Feder von Martin Winklbauer, der als Regisseur auch für jede Inszenierung verantwortlich zeichnet. Inspirieren läßt sich Winklbauer dabei von Ereignissen, Geschichten und Legenden, die sowohl weltlicher, als auch religiöser Natur sein können.

Auf festem Grund

Am 31. Januar 1991 wurde der Verein Landvolktheater Halsbach, Dorf - Kultur - Begegnung, aus der Taufe gehoben. Neben der Förderung und Bewahrung der dörflichen Kultur bemüht sich der Verein auch um die wirtschaftliche Stärkung der Gemeinde. Schließlich stehen neben der Förderung des Laienspiels auch die Förderung der Erhaltung der ländlichen Kultur im Programm des noch jungen Vereins. Denn Kultur kann sich bezahlt machen. 

 Unter dem Slogan „Kurzurlaub mit Tiefgang“ wird in Verbindung mit den Theateraufführungen den Gästen ein Stück Halsbach zum Greifen nahegebracht. Von der ersten Besiedelung, durch die Geschichte, bis hin zur Gegenwart; altes bäuerliches Handwerk und ländliche Kunst und Kultur. Für die jüngeren Gäste werden etwa Planwagenfahrten durch die Geschichte zum Begreifen und Erfahren angeboten. Besonders Kinder nehmen daran begeistert teil. Auch der Kreisjugendring hat dieses Angebot schon des öfteren wahrgenommen.

neue Erfahrungen

Zum 500jährigen Jubiläum der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus 1492 entstand dann 1992 das Stück Im Jahr der finsteren Sonne. Es erzählt von der Eroberung, von der Unterwerfung, von der fast völligen Ausrottung und von der bis in die heutigen Tage dauernden Ausbeutung. So werden Parallelen in die heutige Zeit gezogen und verdeutlicht, dass Unterdrückung und Ausbeutung andauern.

Wieder ein Stück Ortsgeschichte hat dann Jörg von Halspach - Säulen zwischen Himmel und Hölle aufgenommen: Jörg von Halspach, der Erbauer der Münchner Frauenkirche, steht dabei im Mittelpunkt. Dafür verwandelte sich der Gallersöder Bundwerkstadel für zwei Jahre zur mittelalterlichen Dombauhütte, in welcher der Teufel mit dem Baumeister sein böses Spiel treibt.

Zwei neue Stücke wurden 1993 auf die Bühne gebracht. Eine Kriminalkomödie, Der Kluu, die von zehn Personen innerhalb einer Woche erdacht, einstudiert, ausgestattet und aufgeführt wurde. Der Vorhang dafür ging am 15. Januar zum ersten Mal nach oben. Dieses Stück wurde auch bei dem gemeinsam mit den Alt-Neuöttinger Theateramateuren organisierten Festival im Theaterzelt im gleichen Jahr aufgeführt.

Mani oder der gewaltsame Tod des Salesianerpaters Rudolf Lunkenbein
 beschreibt den Kampf eines Weißen für die Rechte der Indianer im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso. Großgrundbesitzer sahen sich durch den friedlich kämpfenden Pater so bedroht, dass sie ihn 1976 ermorden ließen. Die Uraufführung eröffnete am 6. März 1993 die Misereor- Fastenaktion in der Diözese Passau.

mit sicherem Schritt

Das Schicksal eines Ordensangehörigen, des Kapuzinerbruders Konrad von Parzham, des heiligen Bruders Konrad, stand im Mittelpunkt des Stückes Zwiegespräch mit einem Fremden das im Juni 1994 am Geburtsort des Altöttinger Heiligen Premiere hatte. Das Stück wurde dann mit großen Erfolg als Auftaktveranstaltung zum neu eingeführten Altöttinger Theatersommer in Altötting vor der St.-Anna-Basilika aufgeführt.

Noch in das Jahr 1993 fiel die Wiederaufführung des ersten Stückes Das Schwarze Jahr. Zum zehnjährigen Jubiläum wurde dieses erfolgreiche Stück von Martin Winklbauer überarbeitet und als Freilichtspiel neu inszeniert. Dieses Theater für alle Sinne ist mit seinem vorangehenden Markttreiben seither fester Bestandteil im Halsbacher Theaterprogramm. 

1995 war auch das Jahr eines besonderen Vorhabens. Im bayernweit gefeierten Jahr des Salzes organisierten die Halsbacher den ersten von drei Salzzügen auf historischen Pfaden. Über drei Tage zog ein Tross mit historischen Wagen und zu Fuß oder auf dem Rücken der Pferde von Bad Reichenhall bis Tittmoning. Das Stück Der Schwärzer gehörte da zum Repertoire. Seit 1994 gestaltet das Landvolktheater Halsbach den Altöttinger Theatersommer. Dem Zwiegespräch mit einem Fremden folgte 1995 Jörg von Halspach als Freilichtaufführung und 1996 Der Bauer in der Kutte in einer Neuinszenierung.

Auf breiten Pfaden

Doch darin beschränken sich die Aktivitäten des Landvolktheaters Halsbach nicht. Ausstellungen, Lesungen und Konzerte, wie etwa die Beteiligung am Theatersommer zwischen Inn und Salzach, gehören auch zu den Bereichen, in denen sich das Landvolktheater engagiert. Zusätzlich bildet die Schauspielertruppe auch den Rahmen für historische Feste, Umzüge und sonstige Veranstaltungen.  

Dies sind die ersten Schritte auf dem Weg zu einem sanften Fremdenverkehr. Tourismus nicht gemessen am größtmöglichen Wachstum an Übernachtungen und Besucherzahlen, sondern an der Frage, wie Kultur in den Köpfen und Herzen der Halsbacher wachsen kann und die Gäste an diesem, unserem Leben teilhaben können.  

Nur wer selbst Kultur besitzt, kann diese auch weitergeben. Schließlich hat auch die städtische Kultur ihre Wurzeln auf dem Land. Und wenn das eine gewachsene, oder noch besser, eine wachsende Kultur ist, die ständig aus den eigenen Wurzeln schöpft, dann wird das Weitergeben nicht zum auszehrenden Raubbau, sondern zum wachstumsfördernden Verjüngungsschnitt. Und das bedeutet Zukunft für den ländlichen Raum.

Auszeichnung: Diese Veranstaltung gehrt zu den 100 schnsten Weihnachtsmrkten im Advent2012    Waldbühne Halsbach bei Facebook   Waldbühne Halsbach bei Twitter